Nadia* und Isaak* kommen ermutigt von der Gemeindefreizeit zurück. Sie sind mit ihren zwei Söhnen erst seit Kurzem Teil der Untergrundgemeinde. Drei Tage später dann der Eklat: Nadias Schwester erzählt der Mutter von Nadias Glauben und damit beginnen Bedrohungen und Einschüchterungen. Die Familie hörte nicht mehr auf, Nadia und Isaak per Telefon Beleidigungen an den Kopf zu werfen. Irgendwann blockieren die beiden die Nummern und überlegen nun, umzuziehen. Denn Nadias Verwandtschaft wohnt in der Nachbarschaft und versucht nun auch, die Kinder einzuschüchtern.
Zwei Tage später sind die beiden bei meiner Mitbewohnerin und mir zu Besuch und erzählen davon. Viele der Anschuldigungen beruhen auf falschen Vorurteilen: Sie hätten mit ihrer Entscheidung alle Moral über Bord geworfen, auf diesem Camp hätten sie ihre Kinder der Unmoral preisgegeben ... Diese Vorstellungen herrschen hier leider immer noch in vielen Köpfen.
Als ich vor fünf Jahren mit meiner Arbeit in Nordafrika begann, hatte ich zunächst kein konkretes Ziel vor Augen. Sprache und Kultur sollte ich lernen, das war der Auftrag. Ein sehr unklarer Auftrag. Somit waren die ersten Jahre auch mit etlichen Kämpfen und Unsicherheiten gefüllt: Was war meine Identität hier? Wo war mein Platz? Heute schaue ich voller Dankbarkeit zurück: Gott hatte einen Plan, wo ich keinen hatte. In den letzten Jahren durfte ich hier eine Sprachschule aufbauen. Da ich von Beruf Lehrerin bin, bot sich das an.
Der Bedarf an Deutschunterricht ist groß – viele junge Einheimische möchten in Deutschland arbeiten oder eine Ausbildung machen.
Vision von Anfang an
Die Perspektivlosigkeit in Nordafrika ist groß, gute Arbeitsplätze sind rar. Doch es passt zu meiner Vision von Anfang an, genau dieser jungen Generation Perspektive und Hoffnung zu geben. Ganz praktisch durch Deutschunterricht und damit die Möglichkeit, auszuwandern. Aber auch durch die Wertschätzung des Einzelnen und nicht zuletzt durch eine persönliche Beziehung zu unserem himmlischen Vater. Und dann kam ich über Kontakte auch noch mit einer einheimischen Untergrundgemeinde in Kontakt, wo ich seitdem für das Kinderprogramm verantwortlich bin. Unsicherheiten, Gefahren? Das erleben diese einheimischen Nachfolger regelmäßig, Nadia und Isaak sind nur eines von vielen Beispielen.
„Ich bin extra wegen euch in diese Stadt gezogen”, erzählt mir eine Schülerin in unserem Anfängerkurs. Sie hatte in ihrer weit entfernten Heimatstadt angefangen, Deutsch zu lernen. Allerdings gefiel ihr der Unterricht nicht besonders. Dann sah sie unsere Videos in den sozialen Medien und sagte spontan zu ihrer Familie: „Ich muss in diese Stadt ziehen, um in diesem Institut zu lernen.” Ihre Mutter unterstützte und begleitete sie zunächst, half ihr, eine Wohnung zu finden und sich bei uns anzumelden. Seit einigen Wochen wohnt die Schülerin allein hier – und das alles nur, weil sie die Atmosphäre und der interaktive Unterricht so beeindruckt hatten.
Ich bekomme Gänsehaut bei dieser Geschichte. Und ich beschließe, mich mal außerhalb des Unterrichts mit der Schülerin zu verabreden. Wer weiß, vielleicht hat sie der himmlische Vater ja bewusst zu uns geschickt?
*Namen aus Sicherheitsgründen geändert
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