Bei einem unserer vielen Spaziergänge durch das Dorf fällt mir sofort unser Nachbarsmädchen auf. Wir treffen sie eigentlich jedes Mal, da sie nicht in die Schule geht, obwohl sie schon sechs Jahre alt ist. Auch heute hüpft sie uns fröhlich entgegen, hält aber ihre Hand gekrümmt, ein bisschen abgespreizt von ihrem Körper und bewegt sie auch nicht. Als wir ihr näherkommen, sehe ich, dass sie eine tiefe und großflächige Verbrennung an der Hand hat. Die Wunde ist dick verkrustet.
Das Mädchen erzählt, dass sie vor ein paar Tagen, als sie ihren Morgenbrei mit einer Tasse aus dem Topf schöpfen wollte, ausgerutscht ist und die Hand dabei in den kochenden Brei geraten ist. Die Tante berichtet auf Nachfrage, dass sie die Hand mit einer traditionellen Methode behandeln. Dabei werden Naturfasern verbrannt und auf die Wunde gelegt, und auch verschiedene Heilkräuter kommen zum Einsatz. Bei kleineren Verbrennungen kann diese Methode gut helfen. Als Kinderkrankenschwester wird mir aber schnell klar, dass diese Verbrennung medizinische Versorgung benötigt, wenn die Hand des Mädchens nicht bleibende Schäden zurückbehalten soll.

Überzeugungsarbeit nötig
Die nächsten Tage gehe ich mehrmals zu der Familie und versuche sie zu überzeugen, dass sie mich die Wunde versorgen lassen sollen. Die Oma bleibt stur und vertraut auf ihre traditionelle Methode. Doch nach einigen Tagen klopft es an unserem Tor und die Oma steht mit dem Mädchen vor der Tür. Endlich erlaubt sie mir, das Mädchen zu behandeln. Die nächste Woche kommt das Mädchen jeden Tag und wir verarzten die Wunde. Schon am dritten Tag kann sie die Hand wieder bewegen!
Diese Wundversorgung erinnert mich an das Thema Salz und Licht. Die ersten Tage, als wir die Familie jeden Tag mehrmals besuchten und versuchten, sie zu der Behandlung zu überreden, waren pures Salz. Und Salz war es auch, die Wunde zu reinigen und zu versorgen, was mit so vielen Schmerzen verbunden war. Aber als dann ein paar Tage später die Besserung kam, sahen wir das Licht.
Die Situation hat mir gezeigt, dass die Werte und Überzeugungen der Dorfbewohner nicht immer mit meinen übereinstimmen. Aber mit Respekt und Liebe dürfen wir Salz und Licht sein in dieser Welt. In Worten und in Taten.
Die Arbeit von Nadine und Emmanuel wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Umso mehr freut sie sich über regelmäßige Unterstützung. Werde Teil ihrer Vision, dass Babys und Kinder in der Liebe Gottes aufwachsen können.
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