Geboren wurde Herbert Emil Gustav Ros am 14. November 1938 in Thüringen. Seine Kindheit war geprägt von den Schrecken des 2. Weltkriegs und großer Not, und im Alter von 10 Jahren siedelte er mit seiner Familie nach Stuttgart um. Ein Jahr später bekehrte er sich in StuttgartZuffenhausen und vertraute sein Leben Jesus an. Nach der Bibelschule bei der Assemblies of God in England diente er zunächst in Sachsenheim und Berlin. 1965 reiste er, gemeinsam mit seiner Frau Christiane und der eben mal zwei Monate alten Tochter Priscilla als Missionar nach Ostafrika aus, wo er den größten Teil seines Lebens verbringen sollte. Sohn James Otieno kam in Uganda zur Welt.
Über die Anfänge der Missionsarbeit in den ugandischen Provinzen Teso und Lango erzählte Herbert gerne. Es geschahen viele Zeichen und Wunder, Dämonen wichen, Medizinmänner und Zauberer bekehrten sich. Doch es gab auch schwierige Zeiten: Während der Gewaltherrschaft des Diktators Idi Amin geriet Herberts Name auf die berüchtigte „Schwarze Liste“, die Familie musste vorübergehend nach Südafrika flüchten und verlor all ihr Hab und Gut.

1978, man lebte inzwischen im Kamba-Land in Kenia, kam ein Anruf aus Deutschland von Pastor Gottlob Ling, damals 1. Vorsitzender der Volksmission: Herbert soll umgehend seine Sachen packen und zurück nach Stuttgart-Zuffenhausen kommen. Begeistert war er nicht, wie er anlässlich des 80-jährigen Jubiläums der Gemeinde im vergangenen Jahr freimütig einräumte: „Wir erlebten in Ukambani Aufwind und hatten nicht vor, je nach Deutschland zurückzukehren. Unsere Kinder sprachen auch kein Deutsch.“ Dennoch packte die Familie ihre Sachen und Herbert wurde im Januar 1979 leitender Pastor seiner Heimatgemeinde, wo er sich zunächst der Sanierung des Gemeindegebäudes widmete. Ebenso rief er neue Gruppen und Strukturen ins Leben und läutete so eine Phase des Wachstums und des Wandels ein.
Gut zehn Jahre später wurde Herbert von der Pentecostal Assemblies of God (PAG) Canada gebeten, ihr Feldleiter in Uganda zu werden, und so reisten Herbert und Christiane 1989 erneut nach Ostafrika aus. Am Aufbau der PAG in Uganda und Kenia war Pastor Herbert Ros maßgeblich beteiligt.
Doch auch in Deutschland warteten neue Aufgaben: Von 1994 bis 2000 war Herbert leitender Pastor der Volksmission Bietigheim (heute die VIA-Gemeinde Connect Church Bietigheim-Bissingen), wo er ebenfalls viele bleibende Spuren hinterlassen hat. 1996 wurde er zum ersten Vorsitzenden der Volksmission gewählt und damit auch zum Vizepräses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Das Amt hatte er bis ins Jahr 2004 inne.

Rentner-Dasein in Awasi
Auf Wunsch des damaligen Präses Richard Odongo Auko begannen Herbert und Christiane im Jahre 2005 ihr RentnerDasein in Awasi. Zehn Jahre davon war Herbert ehrenamtlicher Leiter des Awasi Pentecostal Bible College, zudem war das Missionarsehepaar in der Gemeindearbeit und in verschiedenen Sozialprojekten tätig. Über die Freuden und Tücken dieser Lebensphase berichtet Herbert locker und sehr persönlich in seinem Buch „Die Alten von Awasi“, das 2014 erschienen ist.
Ende 2024 brachten Herbert und Christiane den örtlichen missionarischen Einsatz in Awasi zum Abschluss. Ihre Projekte, darunter ein großes Kinder-Hilfsprogramm, betreuten sie von Deutschland aus weiter, und auch im Gemeindedienst war Herbert noch im hohen Alter unermüdlich aktiv. Sein nächster Predigtdienst in der Connect Church Bietigheim-Bissingen wäre für Oktober 2026 geplant gewesen. Das Thema war Programm: „Erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche“.

Auch die übergeordnete Begleitung der Außenmission lag Herbert Ros sehr am Herzen. So leitete er unter anderem bis 2013 die Redaktion der Zeitschrift „Der Missionar“, aus der nach der Gründung von MT:28 der heutige „Breitengrad“ hervorging. Darüber hinaus engagierte er sich in verschiedenen Bereichen der Weltmissionsarbeit und blieb den Entwicklungen bei MT:28 über viele Jahre verbunden. Andrea Schmidt, die Geschäftsführerin von MT:28, erinnert sich an Herbert Ros als einen verlässlichen und interessierten Begleiter der Missionsarbeit, der viele Anliegen aufmerksam mitgetragen und unterstützt hat. „Für viele Missionare war er ein Ermutiger und Vorbild.“
Herbert Ros hat vieles angestoßen und Fundamente gelegt, die langfristig tragen. „Wo immer er wirkte, verkündigte er das Wort Gottes mit tiefer Leidenschaft – getragen von einer ansteckenden Freude, feinem Humor und seinem unverwechselbaren Charme. Er liebte es, Menschen zu ermutigen, sie wertzuschätzen und in jedem das Beste zu sehen“, hob der Vorsitzende von VIA Movement, Stefan Striefler, in seinem Nachruf im Namen des Vorstands hervor. „Für viele von uns war Dr. Herbert Ros ein geistlicher Vater in Christus, ein Vorbild im Glauben und ein stiller Held, dessen Leben weit über das Sichtbare hinaus Wirkung entfaltet hat.“