25. November 2020

Mosambik – Den Kreislauf der Armut durchbrechen

Mit Unterstützung aus Deutschland nehmen Menschen in Mosambik ihre Zukunft selbst in die Hand.

„Eines der ärmsten Länder der Erde“ – wenn um Spendengelder geworben wird, bekommen viele Länder diese Umschreibung. Auf Mosambik trifft sie zu: Als Thilo und Magda Kierner Anfang 2007 als junge Familie nach Mosambik ausreisten, lag das Land am Indischen Ozean im Human Development Index der Vereinten Nationen auf dem fünftletzten Platz.

Die Kinder in Mosambik sind aufgrund der Armut schon sehr jung gefordert, zu Hause mitzuarbeiten, um zur Ernährung der Familie beizutragen. Dabei bleibt die einzige Chance auf eine bessere Zukunft auf der Strecke: Bildung. Während unseres sechsjährigen Einsatzes durften wir an der Entstehung von zwei Projekten mitwirken, die diese Kinder besonders im Fokus haben: Das Projekt „PACO“ entstand zusammen mit der einheimischen Gemeindebewegung. Das zweite Projekt heißt „Vovo Berta“ und entstand auf Initiative einer Frau, die wir von Anfang an begleitet und unterstützt haben. Auch fast sieben Jahre nach unserer Rückkehr sind beide Projekte noch am Leben. Das macht uns sehr dankbar. Jedes Jahr besuchten wir die Projekte – bis uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Hier sollen die zu Wort kommen, die vor Ort sind. Thilo Kierner

Thilo und Magda Kierner

Projektland: Mosambik
• Hilfsprojekt PACO für Kinder, Waisen und Familien in schwierigen Lebensverhältnissen
• Unterstützung der Kindertageseinrichtung von „Vovo Berta“

Wie ist euer Projekt entstanden und was hat euch motiviert?

PACO: Die Entstehung von PACO geht zurück auf die Initiative der Missionare Thilo und Magda Kierner. Gemeinsam mit Freiwilligen aus der Pfingstbewegung brachten sie die Vision, Waisen und hilfsbedürftigen Kindern zu helfen. Wir sind motiviert durch den Wunsch, auf die offensichtlichen Probleme der Armut zu reagieren, auf mangelnde Ernährung, fehlenden Zugang zu medizinischer Versorgung, fehlende Bildung und fehlenden Schutz. Und wir wollen mit PACO Menschen durch die soziale Unterstützung für Jesus gewinnen.

Berta: Als mein Mann starb, war ich mit fünf Kindern allein. Mein Sohn kam mit 21 Jahren ins Gefängnis und ließ auch noch eine junge, schwangere Frau zurück. Ich hatte keine Arbeit, kein Einkommen und keine Möglichkeit, meine Kinder zu versorgen. Hinter meinem Haus war ein Müllhaufen, auf dem die Kinder spielten und nach Dingen suchten, die sie verkaufen konnten. Ich war frustriert und wollte etwas ändern, aber ich wusste nicht wie. Magda und Thilo haben mir geholfen, ein Projekt zu starten.

Wie sah eure Arbeit vor Corona aus?

PACO: Zum einen arbeiteten wir mit Jugendlichen in den Schulen und vermittelten ihnen Kenntnisse im Bereich der sexuellen Gesundheit und der Vorbeugung von HIV. Zum zweiten leisteten wir ganz konkrete Hilfe in einzelnen Familien, zum Beispiel durch die Reintegration von Kindern, die aus der Schule
ausgeschlossen wurden, durch psychosoziale Betreuung in zerstrittenen Familien oder durch die Verteilung von Grundnahrungsmitteln.

Berta: Wir hatten viele unterschiedliche Aktivitäten. Unsere Kinder hörten biblische Geschichten, wir haben Lieder gesungen und Tänze gelernt. Die Kinder lernten aber auch ganz praktische Fähigkeiten wie Nähen, Häkeln oder das Flechten von Körben und Besen. In unserem Kindergarten, der für mein Projekt der finanzielle Rückhalt ist, wurden Kinder unterrichtet und auf die Schule vorbereitet, wir hatten Bibelunterricht, kulturelle Aktivitäten und Fußballspiele.

„Ohne staatliche Unterstützung ist so eine Krise fast nicht zu meistern.“

Wie hat Corona das Leben in Mosambik und eure Projekte verändert?

PACO: Es begann im März mit sieben Infizierten. Seither wächst die Zahl der Infizierten rasant. Das macht uns allen Angst, weil wir wissen, dass unser nationales Gesundheitssystem damit nicht zurechtkommen kann. Corona hat weitreichende Konsequenzen mit sich gebracht – für das soziale Leben, die finanzielle Lage vieler Menschen und natürlich deren emotionale Situation. Besonders betroffen sind die Ärmsten der Armen, die als Tagelöhner oder von kleinen Verkaufsständen an der Straße leben. Nun ist es plötzlich verboten, dieser Arbeit nachzugehen. Vielen Familien geht es dadurch noch schlechter, als es ihnen ohnehin schon ging. Als Organisation konnten wir aufgrund der Infektionsgefahr keine Hausbesuche mehr durchführen, um die Menschen zu begleiten und zu unterstützen. Lediglich telefonisch konnten wir den Kontakt halten, und in einzelnen medizinischen Notfällen haben wir noch Familien besucht. Als neue Aktivität haben wir unsere Mitarbeiter geschult, Trainings zu Hygienemaßnahmen im Zusammenhang mit COVID-19 in Wohngebieten und auf Marktplätzen durchzuführen.

Berta: Am 23. März schloss Mosambik Schulen und andere Einrichtungen. Die Folgen waren gravierend, überall kam es zu Entlassungen. Das führte zu Hunger und Stress in den Familien. Viele Paare haben sich getrennt, etliche wurden kriminell. In einem Land ohne staatliche Unterstützung ist so eine Krise fast nicht zu meistern. Auch mein Kindergarten war betroffen. Drei Monate konnte ich meine Mitarbeiter noch bezahlen, dann musste ich sie nach Hause schicken. Im Projekt konnten wir Alternativen
entwickeln. Ganz am Anfang haben wir Mundschutzmasken hergestellt und verkauft.

Wo seht ihr euer Projekt in 5 Jahren?

PACO: Wir möchten die Bildungsangebote für unsere Kinder erweitern und ihnen auch eine berufliche Ausbildung ermöglichen, damit sie es schaffen, aus dem Kreislauf der Armut auszubrechen. Als Organisation möchten wir unabhängiger von externen Geldgebern werden und eigene Einnahmen generieren, die 50 Prozent der Bedürfnisse unserer Hilfsempfänger abdecken.

Berta: Wir bewirtschaften schon länger ein Feld etwas außerhalb von Matola und verkaufen dessen Produkte, aber auch Reis, Zucker, Seife und Öl. Ich möchte in der Nähe weiteres Land erwerben, Hühner aufziehen und Obstbäume pflanzen, um mehr Einnahmen zu erwirtschaften. Kurzfristig möchte ich auf dem Feld einen permanenten Verkaufsstand bauen, wo wir und unsere Produkte besser geschützt sind.

Wie können wir aus Deutschland bei der Umsetzung helfen?

Beide: Uns mit eurem Wissen zur Seite stehen, Material und Finanzen für die Grundnahrungsmittel der bedürftigen Personen und Gebet. Jeder finanzielle Beitrag ist herzlich willkommen. Danke für diese wertvolle Partnerschaft!

Deine Hilfe zählt

Thilos und Magdas Arbeit wird durch Spenden finanziert. Umso mehr freuen sie sich über regelmäßige Unterstützung. Hilf ihnen dabei Weisen und benachteiligte Kinder weiterhin auf ihrem Weg zu begleiten.

Bei Spenden zur Unterstützung dieses Projektes bitte angeben: AM 296 Kierner