21. February 2022

„Danke, dass alles so schwierig ist.”

Von der Last, dankbar sein zu müssen.

„Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ (1. Thess. 5,16-18) Dieser Bibelvers hat Maritta Winkler, Mitarbeiterin der YWAM-Base Heidebeek in den Niederlanden, schon einigen Frust beschert.

Ich saß auf dem Boden und schaute konzentriert aus dem Fenster. „Danke Gott“, sagte ich angestrengt, „danke, dass gerade alles so schwierig ist. Danke, dass nichts klappt.“ Ich hielt inne. „Das klingt furchtbar“, dachte ich. Dankbarkeit in allen Umständen – das hatte ich mir vorgenommen. Warum nur fühlte sich mein Herz nach diesem Gebet überhaupt nicht dankbar an? Ich fühlte mich müde und allein, weit weg von Gott.

Ich habe unzählige Male versucht, dankbar in allen Umständen zu sein und bin unzählige Male grandios gescheitert. Mit der Zeit dämmerte mir, dass ich versuchte, diesen Vers aus eigener Kraft zu leben. In meiner Vorstellung musste ich lediglich meine Gedanken so lange trainieren, bis ich nur noch positive und dankbare Gedanken habe. Jegliche Gefühle und Gedanken, die sich nach Enttäuschung oder Schmerz anfühlten, versuchte ich krampfhaft auszublenden.

Im Gebet sprach mein Mund die richtigen Worte und ich verstand nicht, warum mir Gott immer ferner vorkam. Irgendwann konnte ich nicht mehr und schleuderte Gott all meine
Enttäuschung und meinen Schmerz entgegen. Enttäuscht von Umständen und enttäuscht von mir selbst, dass ich es einfach nicht schaffte, dankbar zu sein, saß ich da und wusste nicht weiter. Überrascht merkte ich auf einmal, dass ich mich Gott näher fühlte. Ein Gefühl der Dankbarkeit breitete sich in mir aus.

In der folgenden Zeit las ich in den Psalmen und war immer wieder erstaunt, manchmal fast schockiert, wie offensiv die Psalmisten mit ihrem Schmerz umgingen. Ihre Psalmen drückten eine Ehrlichkeit und ein Vertrauen Gott gegenüber aus, nach dem ich mich auch sehnte. Und immer wieder las ich „Doch du Gott….“ Schmerz verwandelte sich in Dankbarkeit.

Ehrlichkeit schafft Nähe

Fortan wurde ich ehrlicher mit Gott und teilte meine Kämpfe mit ihm. Ich bat um seine Gnade und fragte offensiv nach seiner Hilfe. Mir wurde klar, dass ich es nicht alleine schaffen muss, meinen Blickwinkel zu ändern. Gott möchte mir helfen.

Je ehrlicher ich wurde, desto näher fühlte ich mich ihm. Nachdem ich Schmerz und Frust bei Gott abgeladen hatte, weitete sich mein Blick, weitete sich für die kleinen Dinge. Auf einmal fielen mir Gründe ein, dankbar zu sein: Ich war dankbar für den Sonnenschein, den Kaffee am Morgen, die Nachricht, die ich bekommen hatte. Die Last, dankbar sein zu müssen, wich und machte Platz für echte Dankbarkeit.

Gott verlangt nicht, dass wir unseren Schmerz und unsere Enttäuschung verneinen. Er sehnt sich nach ehrlicher, tiefer Verbindung. Er möchte uns helfen, unsere Lasten zu tragen. Er möchte uns helfen, mitten im Sturm Momente der Dankbarkeit zu erleben.

Dr. Jürgen und Vesna Bühler

Maritta Winkler

Projektland: Niederlande

  • Mitarbeit in der YWAMBase Heidebeek
  • Discipleship Training School (DTS)
  • Management und Ausbau des Basecafés
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Leitung der Einsatzteams im Ausland

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